Die vorletzte Woche läuft.

Dienstag, 10.06.2014

Mein Praktikum neigt sich dem Ende zu aber der Unterlagenhaufen auf meinem Schreibtisch lassen sich nicht so einfach abbauen. Ich habe gerade mit Antoinette abgesprochen, dass mein E-Mail Account nicht sofort gelöscht wird, damit sie E-Mails von ausländischen Partnern und Studenten beantworten und nach Informaionen suchen kann. Bei der Gelegenheit habe ich überprüft, inwieweit mein Mailbox voll ist: 1470 Nachrichten in Inbox und vor allem 1124 versandte E-Mails – ich habe hier ganz schön geübt  .

 

Letzte Woche habe ich doch eine neue Aufgabe bekommen und zwar, ich war mit der Vorbereitung der Vorstellungsgespräche von Studenten beschäftigt. Am Freitag durfte ich die Kommission während der Gespräche begleiten – eine sehr interessante Erfahrung mal „auf der anderen Seite“ zu sein, obwohl ich feststellen musste, dass die Kandidaten eher miserabel waren. Tja, es stellt sich heraus, dass die EU Stipendien nicht wirklich für die Studenten atraktiv sind und die besten nutzen viel bessere Möglichkeiten, um die Berufserfahrung zu sammeln. Außerdem bin ich jetzt noch ganz viel mit der Suche nach neuen Praktikumsplätzen beschäftigt und ich muss noch die Reisekosten und fällige Auszahlungen für mehrere Mitarbeiter berechnen, die in den letzten Wochen eine Partnerhochschule im Ausland besucht haben.

 

Am Samstag habe ich meinen Mann vom Flughafen abgeholt. Damit is unsere 5 monatige Trennung zu Ende!  Endlich! Am Sonntag sind wir zusammen zum Tuffieha Beach gefahren. Das ist definitiv der schönste Strand von allen, die ich auf Malta besucht habe. Am kommenden Wochenende möchten wir eine Schifffahrt rund um Malta, nach Comino und Gozo machen. Dann werde ich endlich Blue Lagoon besuchen. In den letzten Tagen möchte ich während der Freizeit einfach nur noch die Sonne und Meer genießen . Ich habe eigentlich schon alles gesehen, was ich hier sehen wollte.  Das letzte, was noch bleibt, ist Hypogeum – ein unterirdischer neolitischer Tempel. Dort gehen wir am Freitag Nachmittag hin.

 

Soweit die Neuigkeiten aus Malta. Es sind nur noch 11 Tage geblieben.

Der letzte Monat auf Malta hat begonnen.

Freitag, 23.05.2014

Genau in einem Monat werde ich meine Sachen packen, die Wohnung aufräumen und langsam den Abschied von Malta nehmen. Ich fühle mich schon an MCAST wie zu Hause und gerade jetzt muss ich weiterziehen. Ein Azubi ist wie ein Pilger: er muss sich immer wieder auf den Weg machen. Vielleicht läßt mich Antoinette noch mit irgendwelchen neuen Aufgaben überraschen, aber im Prinzip denke ich jetzt schon daran, manche von meinen jetzigen Aufgaben langsam abzuschließen und die Dokumente, die ich auf meinem Computer abgespeichert habe, zu sortieren und an Antoinette zu übergeben. Dasselbe muss ich mit meinen E-Mails machen. Im Gegensatz zu allen IT Systemen, die ich in den Berliner Behörden gesehen habe, werden die Dateien hier nicht zentral auf irgendwelchen Servers, sondern nur lokal auf den Computer gespeichert. So müssen wir auch mit Antoinette per E-Mail wichtige Dateien ständig hin und her schicken und tauschen, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Das macht die Arbeit komplizierter und kostet Zeit, aber es ist hier einfach so und umso mehr muss ich mich jetzt darauf konzentrieren, alle wichtigen Dokumente und Kontakte an Antoinette weiterzugeben.

Das Sortieren und Aufräumen bringt mich auch dazu, die letzten Monate langsam auszuwerten. Das, was mir bisher am wichtigsten scheint, ist die Tatsache, dass ich mich hier nicht mehr wie eine Praktikantin fühle, die eigentlich nur als Aushilfe dient, sondern, dass ich selbstständig arbeiten darf. Diese Erfahrung ist für mich eine Gelegenheit, zu beweisen, dass ich ganz selbstständig arbeiten kann und das hat große Bedeutung für mich.

Und was geschah in den letzten Tagen im International Office?

Es ist unglaublich schwierig neue Praktikumsplätze für die Design Studenten zu finden. Von vielen Firmen bekomme ich überhaupt keine Antwort (Antoinette meint, dass es eigentlich normal ist) und die meisten Firmen wünschen sich Praktikanten, die keine Studenten mehr sind, sondern am besten schon eine Arbeitserfahrung haben. Tja, so ist eben die Situation auf dem Markt - Menschen arbeiten in dieser Branche jahrelang als Praktikanten und erhoffen sich, auf diese Art und Weise mal einen festen Job zu finden. Übrigens: so wie ich jetzt hier die EU Strategie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit der jungen Menschen beobachte, sehe ich, dass Milionen von Euro zusätzlich für Praktika ausgegeben werden. Jetzt dürfen nicht nur Praktika von Studenten, aber auch von Absolventen aus der EU Mittel finanziert werden. Da diese Praktika für die aufnehmende Unternehmen kostenfrei sind, frage ich mich, ob irgendwelcher Arbeitgeber noch junge Menschen einstellen wird, wenn er sie kostenfrei als Praktikanten haben kann. Die Statistiken werden bestimmt besser, weil ein Praktikant nicht mehr als Arbeitsloser gilt, aber die normalen Arbeitsplätze werden knapper. Oder sehe ich es falsch?

Letzte Woche war ich noch ganz viel mit Vorbereitung der Verträge für die Mitarbeiter beschäftigt, die in den nächsten Tagen ins Ausland fahren. Dann musste ich die Endberichte von mehreren Studenten lesen (ich bin gespannt, ob unsere Berichte gleich aussehen. Wenn ja, dann wird es nicht so schlimm sein) und sie entweder online akzeptieren oder zurückschicken. Mobility Tool ist alles andere als ein zuvelässiges Werzeug. Die Studenten beschweren sich immer wieder, dass es bei ihnen nicht funktioniert. Auch ich habe sehr oft Probleme mit dem Herunterladen von Berichten. Man muss auf jeden Fall die Datei zuerst auf dem Computer speichern, sonst kann man sie nicht öffnen. Letztendlich habe ich es aber geschafft, die Berichte zu öffnen und zu drucken.

Gestern und heute bin ich ganz viel mit meinem EuroPass beschäftigt. Ich habe mich entschieden, außer der deutschen auch eine englische Version zu verfassen. Es ist nicht einfach, alle erworbene Kompetenzen auf Englisch zu formulieren. Diese Woche konnte ich aber in aller Ruhe daran arbeiten, weil Antoinette nach Norwegen verreisen ist und ein anderer Kollege, der mit uns das Zimmer teilt, krank ist.

Nächste Woche endet mein Maltesisch Kurs. Ich habe bisher nicht viel darüber geschrieben, weil es auch nicht wirklich viel zu sagen gibt. Während die Sprache sehr interessant ist und es lohnt sich auf jeden Fall ihre Grundlagen zu lernen, war der Kurs selbst eher miserabel. Ich würde das German-Maltese Circle nicht weiter empfehlen. Die Gruppe war zwar klein (nach ein paar Wochen sind 7 Personen geblieben), aber die Lehrerin hat sich absolut keine Mühe gegeben, uns wirklich was beizubringen. Wir haben unglaublich wenig gesprochen, eher laut gelesen, um die Aussprache zu üben und immer wieder schriftliche Übungen gemacht. Eigentlich das, was als Hausaufgabe dienen könnte, war der Kern des Unterrichtes. Wir haben tonenweise Materiall bekommen (Kopien von sehr schlechten Qualität), um dann selbst zu Hause zu lernen, aber  wenn man 9 Studnden am Tag auf Arbeit sitzt, bleibt es nicht wirklich viel Zeit und Kraft für das Lernen danach.

Auch das Kursmanagement lässt viel zu wünschen übrig. Da der Unterricht am 2. Mai von der Lehrerin abgesagt wurde und die ganze Gruppe sich auf den kompletten Kursausfall in der betreffenden Woche geeinigt hat, wurde gleichzeitig festgelegt, dass der Kurs um eine Woche verlängert wird. Die Lehrerin hat den Vorschlag gerne akzeptiert.
Überraschend aber
haben am Sonntag zwei Personen eine SMS bekommen mit der Nachricht, dass der Unterricht doch stattfindet, aber nicht am Freitag, sondern am Dienstag, den 29. April (ich habe keine Nachricht erhalten, weder per SMS, noch per E-Mail). Nur eine Person kam am Dienstag und der Unterricht fand statt! Als der Rest der Gruppe die Lehrerin diesbezüglich nächste Woche ansprach, wollte sie nicht mehr von der Verlängerung des Kurses hören.

In zwei Wochen kommt mein Mann zum letzten Besuch und, um mich dann endlich nach Hause mitzunehmen. Es sind noch ein paar interessante Orte, die wir zusammen besuchen möchten. Vor einigen Wochen habe ich für uns Karten zum Hypogeum gekauft. Hypogeum ist ein neolithischer, unterirdischer Tempel in Tarxien, ganz in der Nähe von MCAST.  Es dürfen nur 10 Personen auf einmal den Tempel besichtigen und aus diesem Grund muss man die Karten viel, viel früher besorgen. Außerdem würde ich gerne zum Ausklang des Aufenhaltes hier, eine schöne Schifffahrt rund um Malta, nach Comino und Gozo machen, um noch mal all diese Orte, wo ich so viele schöne Momente erlebt habe, zu sehen und den Abschied von ihnen zu nehmen. Aber ich bin sicher, dass ich noch irgendwann nach Malta zurückkommen werde.

Besuch von meinen Eltern und eine normale Woche auf Arbeit

Samstag, 10.05.2014

Die letzten zwei Wochen waren wieder sehr intensiv und abwechslungsreich. Eine von ihnen habe ich mit meinen Eltern verbracht. Wir fuhren zusammen nach Blue Grotto und dann besuchten wir gleich die neolythischen Tempeln in Hagar Qim, die sich gleich in der Nähe befinden. Natürlich waren wir auch in Valletta und in Mdina, wo wir von dem wunderschönen Cafe Fontanella, auf einer Terrasse auf den Mauern von Mdina, den prächtigen Blick auf fast ganze Insel genossen haben.

Da meine Mutter in den nächsten Tagen ihr siebzigsten Geburtstag feiern wird, habe ich schon seit längerer Zeit überlegt, was ich ihr im Voraus zu diesem besonderen Tag schenken könnte. Letztendlich habe ich mich für eine ganztägige Schiffsreise rund um Malta, nach Comino zu Blue Lagoon und nach Gozo entschieden. Das war eine gute Idee. Meine Eltern waren mit den Landschaften begeistert. Sie genossen die Zeit auf dem Schiff in der Sonne, beobachteten die im Freien lebende Delphine und machten noch in Blue Lagoon eine Fahrt mit Speed-Booten.  

Nachdem sie zurück nach Krakau geflogen sind, habe ich mich wieder mehr auf der Arbeit konzentriert. Da der Praktikant aus Belgien in den letzten drei Wochen uns unterstützt hatte, konnte ich mich der Suche nach neuen Praktikumsplätzen für die Studenten widmen, während er die Bewerbungen, die im Rahmen der neuen Ausschreibungen eingereicht wurden, registrierte und den ganzen Papierkram für mich erledigte. Tja, nun ist sein Praktikum jetzt zu Ende und ich werde wieder alles selbst erledigen müssen.Da Antoinette so gut wie keine Zeit für den Praktikanten hatte, musste ich teilweise die Rolle der Ausbilderin übernehmen. Ich musste ihn in alle Aufgaben einarbeiten und zum Teil auch neue Aufgaben für ihn aussuchen.  

Wie ich früher erwähnt habe, bin ich jetzt ganz viel mit der Suche nach neuen Praktikumsplätzen beschäftigt. Da im Rahmen der Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit von jungen Menschen in der EU, das Budget für das Erasmus+ Programm sehr erhoben wurde, wird MCAST viel mehr Studenten ins Ausland schicken. Es macht mir unglaublich viel Freude, nach neuen Partnern zu suchen und Kontakte zu verschieden Firmen aufnehmen. Letzte Woche habe ich ein Platz für IT Student/in in Großbritannien gefunden und ich bin im Kontakt mit zwei Firmen in Breslau. Ich bin sehr gespannt,  wie sich die Gespräche weiter entwickeln. 

Da am Morgen in der Familienstadt von Antoinette, in Hal Kirkop, das alljährliche Ricotta-Fest stattfindet und, da Antoinette sich, wie fast alle hier, sehr in die regionale Politik engagiert, durfte ich sie gestern während der Vorbereitungen zu dem Fest begleiten. Wir waren zwei mal in dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo sie Werbung für das Fest machte. Außerdem haben wir die Grundschule in Hal Kirkop besucht, wo eine lokale Molkerei das Frühstück für die Kinder gesponsert hatte. Zu dem Frühstück waren zwei Minister eingeladen, auch der Bürgermeister mit fast allen Mitarbeitern des Rathauses kamen in die Schule. Es ist unglaublich, wie jede kleinste Gelegenheit von den Politikern hier genutzt wird, um Werbung für sich zu machen und, dass die Menschen nicht nur nichts dagegen haben, aber sich sogar darüber freuen. Die Kinder haben ein bisschen Schokoladenmilch und Joghurt bekommen, aber die hochrangigen Politikern ließen sich mit so stolzen Mienen fotografieren, als ob sie eine Weltwunder gebaut hätten. Dann waren wir noch im Rathaus, um in sehr familiären Atmosphäre kurz zu plaudern. Ich habe bei der Gelegenheit die Mutter von Antoinette kennengelernt, die gerade in der Nähe Einkäufe gemacht hatte und auch ins Rathaus kam.  

So verläuft meine Zeit hier. Es sind nur noch 6 Wochen von den 5.5  Monaten übrig geblieben. Langsam spüre ich, immer öfter mit meinen Gedanken in Berlin zu sein. Ich bin schon  gespannt, wo ich mein nächstes Praktikum absolvieren werde. Mein Urlaub in August wurde bestätigt so, dass ich auch die Reise nach Amsterdam und von dort nach Krakau langsam planen kann. Das Leben läuft unerschütterlich weiter...

Osternfest auf Malta

Samstag, 26.04.2014

Die vorletzte Woche stand bei mir ganz unter dem Zeichen der Osterzeit. Ich habe noch nie so schöne und vielfältige Ostertraditionen beobachtet. Da die Malteser, wie viele andere Südländer alles, was ihnen wichtig ist, in einer großen Gesellschaft und auf den Straßen feiern und sich nicht mit ihrer Freude oder Trauer zu Hause oder in einer Kirche verkriechen, waren die Straßen in allen Städten in Malta voll und laut. Meine Nachbarn hatten für jeden Tag eine andere Flagge, die immer mit großer Sorgfältigkeit auf den Flaggenmast auf ihrer Dachterrasse gehisst wurde.  

Bereits am Samstag vor dem Palmsonntag fanden auf der ganzen Insel mehrere Vorführungen des Kreuzweges oder Prozessionen statt. Ich habe die Prozession in Tarxien beobachtet. Duzende von Bewohnern in historisch sehr genau abgebildeten Kleider gingen stundenlang durch die Straßen. Die erste Person war mir ein bisschen rätselhaft (es war entweder irgendwelcher Prophet aus dem alten Testament oder der Gott selbst, keine Ahnung), dann gingen römische Soldaten und wieder in der chronologischen Ordnung: Adam und Eva, Abraham mit seiner Familie, Mose, unzählige Propheten, König David, viele Könige mit denen die Israeliten Kriege geführt haben und dann die Personen aus dem neuen Testament. Irgendwo dazwischen ging eine Blechorchester (jede Stadt auf Malta hat eine eigene Blechorchester). Am Ende gingen wieder unzählige römische Soldaten. Als letzter ging der Jesus.  

Diese Szene machte auf mir einen erschütternden Eindruck, weil der Mann, der ihn spielte, einen unglaublich großen Kreuz getragen hat und, was am schlimmsten war, wurde er von zwei anderen Männern, die als römische Soldaten verkleidet waren, mit  ledernen Peitschen geschlagen. Ich stand in einer sehr schmalen Gasse und konnte mich nicht mehr zurückziehen, deswegen sind sie gleich neben mir vorbeigegangen und obwohl ich es am Anfang nicht glauben konnte, musste ich doch feststellen, dass Blut auf den nackten Rücken echt war. Unmittelbar dahinter ging eine zweite Blechorchester, die Trauermelodien spielte (Melodien, die gleichzeitig einer Trauermarsch- und einer Walzermelodie ähnlich waren). Die Menschen auf der Straße schwiegen, die Kinder (es waren sehr viele Kinder, auch im Kinderalter da) standen mit großen Augen und es hat sich eine sehr seltsame und erschreckende Atmosphäre gebildet. Die Prozession ging so ungefähr drei Stunden und am sehr späten Abend sollte noch die Kreuzigung abgespielt werden, aber ich ging nach Hause. Es war mir zu gruselig, länger da zu bleiben.  

Der Donnerstag vor dem Karfreitag war sehr schön. Es gibt eine Tradition auf Malta, dass die Menschen am Donnerstag Abend nach dem Gottesdienst sieben Kirchen besuchen. In Cospicua, wo ich wohne, waren die Straßen am Abend voll. Ich besuchte drei oder vier Kirchen, wo die Menschen in der Stille oder bei einer sehr leisen Musik gebetet haben oder einfach so saßen. Es waren auch sehr viele wirja eröffnet ( wirja bedeutet auf Maltesisch: Ausstellung), wo Figuren und Szenen des Kreuzweges präsentiert wurden. Die Ausstellungen waren sehr oft in Klostergärten organisiert, bei dem Kerzenlicht und Feuer, was sehr schön aussah. Eine wirja wurde in dem alten Festungsgraben von Vittoriosa organisiert, wo sich jetzt eine Parkanlage befindet. Diese war besonders schön, weil zwischen den Bäumen hunderte kleine Kerzen standen.  

Am Karfreitag fand wieder eine Prozession statt. Diesmal wurden von Männern (in jeweils  8 oder 10 Personen Gruppen) riesengroße Figuren aus der Kirche  getragen. Eine Blechorchester konnte natürlich nicht fehlen. Dieser Tag wird auf Malta wie ein Nationaltrauertag gefeiert. Die Flaggen waren auf Halbmast und mit schwarzen Bänder geschmückt. Während der Prozession wurde auch die Flagge von Cospicua eingeholt und in einen schwarzen Schleier umgewickelt getragen.

Die dritte Prozession fand am Ostersonntag statt. Da war die Atmosphäre ganz anders. Die Menschen gingen nach der Messe mit einer riesigen Figur des aufgestandenen Christus (der offene Grab gehörte natürlich auch zu der Figur ) aus der Kirche und so wurde die Figur spontan durch alle Straßen der Stadt getragen, was ungefähr vier Stunden dauerte. Es gehört zu der lokalen Tradition, dass die Menschen mit der Figur ab und zu auch rennen. Man muss sich das vorstellen können: ein Grab mit einer 2 Meter hohen Menschenfigur, circa 200 Kilo. Nachdem die Figurenträger zum ersten Mal circa 40 Meter gerannt sind, gleich neben der Kirche, haben sie die Figur, wie ein Geburtstagskind drei mal hochgeworfen. Die Menschen klatschten und diejenigen die auf ihren Balkons oder in den Fenstern standen, warfen reichlich das Konfetti. Die Blechorchester spielte diesmal ganz lustige Melodien so, dass die Atmosphäre etwas von der Karnevalsatmosphäre an sich hatte.  

Gleich nach den Ostern, am Ostermontag, der hier überhaupt nicht gefeiert wird, begann das normale Leben, auch das Berufsleben. Letzte Woche kam ein neuer Praktikant in unseres Büro. Da Antoinette an dem Tag in Brüssel war, gehörte es zu meinen Aufgaben, den Praktikanten zu begrüßen und ihm möglichst viel von Malta, MCAST zu erzählen und dann ihn auch in die neuen Aufgaben einzuarbeiten. Ansonsten bin ich jetzt auch mit Vorbereitung zweier neuen Ausschreibungen von Stipendien beschäftigt und ich habe angefangen, nach neuen Praktikumsunternehmen für MCAST Studenten zu suchen. Das wird meine nächste große Aufgabe sein.  

Am Ende meines Beitrages, erlaube ich mir noch auf eine interessante Einzelheit aufmerksam zu machen. Ich habe heute ganz viel über religiösen Traditionen auf Malta geschrieben und Malta wird sehr oft als ein verrücktes katholisches Land betrachtet. Es ist aber ein Land voll von Paradoxen. Einerseits ist Katholizismus als Staatsreligion in der Verfassung bestimmt. Aber gleich vor den Ostern hat das maltesische Parlament ein Gesetz gebilligt, das die gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Ehe gleich stellt (inklusive das Adoptionsrecht). Nur zum Vergleich: in Polen ist ein solches Gesetz immer noch nicht gebilligt worden (letztes Jahr hat das polnische Parlament mehrere Projekte eines Gesetzes über Partnerschaften abgelehnt) obwohl offiziell der Staat und die Religion getrennt sind.   

Nächste Woche kommen meine Eltern nach Malta. Da ich sie letztes mal im November gesehen habe, freue ich mich schon unglaublich auf die Zeit mit ihnen. Wir werden am Mittwoch um Mitternacht das große Feuerwerk auf dem Grand Harbour beobachten und den 10. Jahrestag des EU Beitrittes von Malta und Polen feiern.

Kirche in Paola   

Anfang der zweiten Hälfte meines Praktikums: Berichte und Besuche

Donnerstag, 10.04.2014

Mein Blogeintrag verspätet sich wieder, aber ich fühle mich irgendwie entschuldigt. In den letzten Tagen war ich zusätzlich mit dem Schreiben von Berichten beschäftigt, weil ich es am Anfang irgendwie falsch verstanden habe, und ich dachte, dass für die Blog-Schreiber die Führung des Berichtsheftes nicht mehr obligatorisch ist. Zum Glück habe ich aber doch von Anfang an Notizen über meine Aufgaben hier an der MCAST gemacht und dank diesen habe ich es geschafft, das Berichtsheft nachzuholen. Es ist jetzt wieder auf dem aktuellen Stand. Als nächstes kommt langsam der EuroPass. Da bleibe ich aber nicht hinterher. Ich habe die ersten Daten bereits angegeben und mir das Ganze angeschaut. Das Schreiben wird folgen...

April ist bei mir voll von Besuchen – meine kleine Wohnung ist ganz ausgebucht . Vor einer Woche habe ich mit meiner Schwester vorläufig ihr Geburtstag gefeiert. Es war schön, sie nach mehr als einem Jahr wieder zu sehen. Da sie seit Jahren eine leidenschaftliche Reiterin ist, habe ich für uns eine Sonnenuntergang Reittour in der Nähe von Golden Bay gebucht. Es war für mich (ähnlich wie bei Sarah) die allererste Erfahrung mit den Pferden aber so wunderschön und romantisch, dass es lange in meiner Erinnerung bleiben wird: beim Sonnenuntergang auf den Kliffen auf einem Pferd zu reiten . Das klingt so unglaublich kitschig, in der Realität war es aber ein sehr schönes Erlebnis.

Nächste Woche kommt wieder mein Mann zum Besuch, diesmal mit seinen Kindern und so werden wir in einer lustigen Kompanie die Osterzeit feiern. Die Atmosphäre in meiner Wohnung wird wieder lebendiger, weil sonst dort Stille und Ruhe herrschen. Die meiste Freizeit verbringe ich doch allein. Ausgenommen natürlich den Maltesisch Kurs und die Besuche meines Vermieters und seiner unzähligen Cousins, die immer wieder etwas bei mir reparieren müssen. In dem Maltesisch Kurs habe ich keine besonderen Kontakte anknöpfen können, weil die meisten Teilnehmer viel älter sind, als ich und wir haben irgendwie keine gemeinsame Themen.

Auf Arbeit fühle ich mich dafür nie allein oder einsam. Mittlerweile kenne ich mehrere Personen, die auf meiner Etage oder im Büro des Präsidenten von MCAST arbeiten und so bei jedem Küche-Besuch habe ich die Möglichkeit, mein Englisch zu üben. Das Hauptthema in der letzten Zeit ist das Ukraine-Konflikt. Da viele Menschen gehört haben, dass ich aus Polen komme, erwarten sie von mir eine Einschätzung der Situation. Abrer ich fühle mich eher kein Osteuropa-Expert zu sein und ich kann die Situation überhaupt nicht neutral und mit Distanz beurteilen.

Ab und zu bin ich auch mit meiner Ausbilderin unterwegs. Es ist hier nähmilich üblich, dass die Mitarbeiter persönlich Unerlagen bei den anderen MCAST Instituten oder Behörden einreichen ohne die Post zu nutzen. Wenn etwas wichtig ist, schickt man es nicht per Post. Und so, ab und zu, machen wir uns mit dem Auto auf den Weg, ein paar Unterschriften zu holen und dann machen wir auch zusammen die Pause, um  gemeinsam Mittag zu essen. Antoinette hat mir eine Bar für Mitarbeiter der Reparaturwerft gezeigt, wo man sehr gut und sehr günstig Mittag essen kann. Die Bar ist gegen mittag immer super voll und alle stauen sich über einen Zettel aus einem einfachen Notizblock, auf dem das Manu geschrieben wird. Es gibt nämlich nur ein Exemplar davon. Nachdem man aber das Essen bestellt, kann man sich in aller Ruhe in der Sonne entspannen. Das einzige Problemm stellt für mich die Menge des Essens auf dem Teller vor. Die Portionen sind für kräftige Mitarbeiter der Werft vorgesehen und für mich würde eine Portion für 3 Tage reichen.

Auf Arbeit habe ich jetzt wieder neue Aufgaben bekommen. Da viele Studenten und Mitarbeiter vom Ausland zurückgekommen sind, soll ich das Mobility Tool vervollständigen. Am wichtigsten dabei ist es, das tatsächlich verwendete Budget zu berechnen.

Die zweite Aufgabe ist etwa umfangreicher und ich werde mit ihr sicher noch in den nächsten Tagen beschäftigt. Ich soll Souvenirs und ähnliche Sachen aussuchen, die vom International Office als Geschenke für ausländische Partner Anwendung finden könnten. Am Anfang soll ich also Internetrecherchen machen, dann aber auch die Angebote einholen. Diese Aufgabe wird auch bestimmt eine gute Gelegenheit sein, maltesisches Gesetz für öffentliche Ausschreibungen ein bisschen kennenzulernen.

Soweit die Neuigkeiten aus Malta. Ich wünsche allen Leser meines Blogs eine schöne Osterzeit und bis bald.

 

die letzten zwei Wochen und etwas mehr über meine Stadt - Cospicua (Bormla)

Sonntag, 23.03.2014

Mein letzter Blogeintrag liegt schon zwei Wochen hinterher. Da fängt an, ein rotes Licht in meinem Kopf zu blinken: “den Blog aktualisieren!” heißt es.

Zuerst die letzten zwei Wochen in aller Kürze: Auf Arbeit gab es nichts neues. Trotz aller Sorgen, dass sich außergewöhnlich wenige Studenten um die Stipendien bewerben, habe ich in den letzten Tagen mit einem solchen Zufluss von Bewerbungen zu tun gehabt, dass man langsam von einem Rekord sprechen kann. Letztes Jahr haben ca. 100 Studenten die Bewerbungen eingereicht, dieses Jahr werden das ca. 180 Bewerbungen sein. Außerdem war ich ganz viel mit Vorbereitung von Info-Mappen für MCAST Gäste (Studenten und Lehrer) beschäftigt. Dazu habe ich noch eine extra Aufgabe bekommen. Auf Wunsch des neuen Abteilungsleiters, dem u. A. das International Office untersteht und der unbedingt irgendwelche Neuigkeiten einführen möchte, soll ich eine Power Point Präsentation über Malta vorbereiten. Ich arbeite schon an der Präsentation seit einigen Tagen und habe den Eindruck, dass meine Vorstellung darüber, was die ausländischen Gäste über Malta gerne erfahren würden und die Meinung des Chefs zu diesem Thema ziemlich weit voneinander entfernt sind. Ich bin gespannt, wie meine Präsentation angenommen wird. Aber die Internetrecherchen, die ich bei dieser Gelegenheit machen durfte waren höchst interessant und ich selbst konnte viel dabei lernen.    

Vor zwei Wochen hat mich endlich mein Mann besucht. Ich habe sooo sehr auf diese fünf Tage mit ihm gewartet und diese waren dann natürlich blitzschnell vorbei. Aber trotzdem bleiben nach einem solchen Treffen in Erinnerung viele schöne Momente, die das Warten auf den nächsten Besuch versüßen. An einem Abend sind wir nach Mdina gefahren und ich muss sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, diese Stadt gerade am Abend zu sehen. Die schmalen Gassen und dunklen Ecken machen einen außergewöhnlichen Eindruck.  

Außerdem haben wir zusammen  den Süden der Insel besichtigt, d. h. mal nach Blue Grotto gefahren und dann zu den neolithischen Tempeln (Hagar Qim und Mnajdra) gewandert. Ich kann zwar nicht ganz verstehen, auf welcher Grundlage die Wissenschaftler überzeugt sind, dass die neolithischen Megalithen jemals Tempeln waren, aber die riesigen Steine und  Überreste von Gebäuden machen einen großen Eindruck vor allem wegen ihrer Lage: unmittelbar auf dem Ufer auf hohen Kliffen.  

Dieses Wochenende war nicht mehr so intensiv. Gestern entschied ich mich, die Geschicklichkeit der maltesischen Frisöre auf Probe zu stellen. Die Ergebnisse sind nicht schlecht . Dann habe ich noch einen schönen Spaziergang entlang der Promenade in St. Julian’s und in Sliema gemacht. Ich habe zum ersten Mal längere Zeit in diesen Ortschaften verbracht, die als modernste in Malta gelten und wo man tatsächlich eine Großstadtatmosphäre erleben kann. Erst dort machte ich mir plötzlich bewusst, wie besonders Cospicua, wo ich wohne, ist. Ich habe mich schon an diese Atmosphäre von einer anderen Epoche gewöhnt, an den Hahnenschrei morgens (JA, JA, das mitten in der Altstadt. Ich frage mich nur, wo die Hühner gehalten werden. Ich schätze, dass sie auf den Dächern leben), auf Pferde, die im Meer baden, oder eher gebadet werden, an ein altes Ehepaar, das ich jedes Mal am Ufer sehen kann: er angelt und sie sitzt in einem Auto, gleich neben ihm geparkt, und strickt. Gleich ein paar hundert Meter weiter beginnt eine ganz neue und moderne Marina, wo super teure Yacht-Schiffe zu sehen sind. Und das mag ich an dem Ort, wo ich wohne. Diese Mischung aus einem Leben, das seit Jahrzehnten (oder vielleicht seit Jahrhunderten) sich kaum verändert hat und aus normalen, modernen Leben, jedoch ohne dieser Touristen Masse, die mich in Sliema total irritiert.  

Ganz viele Menschen, die ich an MCAST treffe, wundern sich, dass ich in Cospicua wohne, weil die Bewohner hier am meisten sehr einfach, ungebildet und – oft - auch sehr arm sind. Ich gebe zu, dass Vieles hier für mich neu und ungewöhnlich ist, aber ich mag es sehr zu schätzen, dass ich eine Ortschaft kennen lernen kann, die etwas ursprüngliches an sich hat. Das ist kein Ghetto von armen Menschen. Es leben hier zum Beispiel keine Flüchtlinge, es ist nicht gefährlich in den Straßen. Diese Stadt funktioniert einfach so, als ob die Zeit sich vor vielen, vielen Jahren angehalten hätte.

Die letzten 2,5 Wochen im Überblick

Sonntag, 09.03.2014
Ich habe mich über einen längeren Zeitraum nicht gemeldet. Nicht, dass ich meinen Blog und dessen Leser vergessen hätte. Es fehlt mir die Zeit. Sie läuft nicht mehr, sie galoppiert wahnsinnig und und ich kann irgendwie nichts dagegen machen.
 
Seit vier Wochen nehme ich an einem Maltesisch Kurs teil. Ich bin die einzige aus unserer Gruppe, die sich für den Kurs entschieden hat und es war eine sehr gute Entscheidung. Der Kurs wird von dem Deutsch-Maltesischen Kreis, von dem ich schon einmal am Anfang geschrieben habe, organisiert. Die Gruppe ist klein (8 Personen) und sehr gemischt.  Zum Teil sind es Studenten und Praktikanten, wie ich, aber die meisten Teilnehmer sind Ausländer, die nach Malta umgezogen sind und hier für längeren Zeitraum bleiben wollen.
 
Maltesisch ist die einzige semitische Sprache in der EU und die einzige semitische Sprache, die das lateinische Alphabet übernommen hat. De facto ist das eine bunte Mischung aus der arabischen, italienischen und  englischen Sprache. Die Grammatik ist arabisch und deswegen auch total neu für mich. Die Logik der Sprache ist absolut anders von allem, was ich kenne. Es gibt zum Beispiel kein Wort für “sein”/ ”da sein” im Präsens. Es gibt aber ein Wort für “nicht sein”. Ein grammatisches Nihilismus Zwinkernd. Ich finde die Sprache echt faszinierend. Schon früher habe ich überlegt, ob ich nicht einmal anfangen soll, Arabisch zu lernen. Das Lernen von Maltesisch macht diese Überzeugung nur stärker.
 
Und was gibt es neues im Büro?
Seitdem ich zum letzten Mal über meine Arbeit berichtet habe, sind zweiundeinhalb Wochen vergangen. Die meisten Zeit war ich mit der Ausschreibung von Erasmus+ Stipendien beschäftigt. Als eine Ansprechpartnerin für Studenten durfte ich ungefähr 350 E-Mails beantworten. Zuerst haben die Studenten ganz allgemeine Fragen nach Stipendien, Praktika usw. gestellt, dann musste ich sie bei Vorbereitung der Bewerbungen unterstützen. Ich freue mich unglaublich, dass ich selbstständig die ganze “Bewerbungsphase” des Erasmus+ Programmes koordinieren darf. Natürlich bin ich damit nicht allein gelassen und ich darf immer Antoinette um Rat bitten, aber im Prinzip darf ich ganz selbstständig arbeiten. Antoinette hat zwei Infoveranstaltungen für Studenten organisiert. Diesmal habe ich die SMS mit Information über die Veranstaltungen an die Studenten verschickt und seit ungefähr zehn Tagen bekomme ich die Bewerbungen.
 
Tja, die Bewerbungsfrist ist ein anderes Thema. Die Frist sollte eigentlich am Freitag letzter Woche ablaufen. Ich war  schon total frustriert und behauptete, als eine Ansprechpartnerin versagt zu haben, da bis Mittwoch nur etwa 30 Bewerbungen eingegangen waren. Die Menschen hier lassen aber alles für die letzte Minute (das konnte ich schon mehrmals bei den Mitarbeitern von MCAST beobachten) und erwarten irgendwie von Anfang an, dass jede Frist verlängert wird, deswegen muss sie nicht wirklich ernst genommen werden. Jetzt habe ich einen ganzen Stapel von Bewerbungen, die ich noch registrieren soll  (eine Nummer vergeben, die Daten in einer speziellen Excel-Datei angeben und ein Formular ausfüllen, in dem ich bestätige, dass eine Bewerbung formal korrekt ist) und ich weiß von ein paar Dutzenden von Bewerbungen, die in den Instituten auf eine Unterschrift des Direktors warten. Ich brauche eigentlich nicht hinzufügen, dass die Bewerbungsfrist natürlich um eine Woche verlängert wurde.
 
Die Ausschreibung von Erasmus+ war nicht die einzige Aufgabe, mit der ich in der letzten Zeit beschäftigt war. Ab Anfang März kommen ganz viele ausländische Studenten und Lehrer, die auf Malta ein Praktikum machen (das sind die Studenten) oder MCAST im Rahmen einer Fortbildungsreise besuchen (das sind die Lehrer). All diese Menschen bekommen eine Info-Mappe, die außer allgemeinen Informationen über Malta und MCAST auch eine Karte mit der Strecke von dem Hotel zum Praktikumsort und Verzeichnis von allen möglichen Busverbindungen auf dieser Strecke enthalten soll. Bei den Lehrern, die mehrere Institute besuchen, sind es mehrere Strecken, die ich “bearbeiten” muss. Am schlimmsten ist es, wenn das Programm in der letzten Minute doch geändert wird und meine Arbeit zu einer Papierkorb-Arbeit wird.
 
Damit beende ich jetzt meinen Bericht, obwohl in den letzten Wochen viel mehr geschehen ist, als ich beschrieben habe. Ich möchte aber doch noch was von dem Sonntagabend haben. Am Dienstag kommt mein lieber Mann zum Besuch (nach einer zweimonatigen “Zwangsseparation” kann ich ihn endlich sehen). Wenn er wieder nach Berlin fliegt, melde ich mich wieder und werde mehr von Malta, Maltesern und Maltesisch erzählen.
 
Am Ende möchte ich nur hinzufügen, dass die Pannenserie in meiner Wohnung weiter läuft. Am Freitag hat der Wassererhitzer im Badezimmer explodiert und damit explodierten auch meine Nerven so, dass mein Vermieter und ganze seine Familie gestern ab 6 Uhr morgens sich um einen neuen kümmerten (mindestens einmal war ich sehr sehr sehr durchsetzungsfähig) und sie haben es geschafft: ich habe einen neuen Wassererhitzer schon seit gestern Mittag.
Außerdem habe ich vor ungefähr zwei Wochen eine Auseinandersetzung mit einem Skorpion erlebt. Den habe ich um 6 Uhr morgens in der Nähe meines Bettes entdeckt. Für Menschen, die davon nichts wissen: Ja, es gibt Skorpione auf Malta. Ich wusste davon auch nicht. Sie sind hier sehr selten (angeblich hat keiner von mir bekannten Maltesern je einen gesehen). Aber mich wundert in meiner Wohnung langsam nichts mehr (nicht einmal Stromausfälle, Explosionen, Skorpione...). Ich frage mich nur, was kommt als nächstes auf mich zu. Da erlaube ich Ihnen, liebe Leser, Ihre Fantasie spielen lassen.
der Skorpion vor...  und der Skorpion nach der Auseinandersetzung mit mir und ein optimistischer Akzent am Ende

Neuigkeiten aus dem International Office

Mittwoch, 19.02.2014

Die letzten zwei Wochen (ich meine die 4. und die 5. Woche meines Praktikums) waren nicht weniger intensiv, als die ersten. Bis zum 14. Februar musste der Endbericht bei der Nationalagentur abgegeben werden. Meine Aufgabe war es die Unterlagen von 39 Schülern nach Vollständigkeit zu überprüfen, sortieren und für die Kontrolle zusammenzustellen (manche Unterlagen mussten im Original bei der Agentur vorgelegt werden, manche nur als Kopien). Da einige Schüler vergessen haben, die Boarding Passes im Original bei uns einzureichen und da die Kontrolleure diese unbedingt im Original sehen wollen, musste ich Kontakt entsprechend mit AirMalta oder mit Lufthansa Malta aufnehmen, um eine schriftliche Bestätigung des Fluges zugeschickt zu bekommen. Am Ende wurden „meine Unterlagen“ mit den Berichten, die inzwischen Antoinette mittels Mobility Tools generiert hatte, zusammengestellt und ich hatte das Vergnügen, ca. 1000 Seiten einzuscannen und zu binden. Endlich habe ich gelernt, eine Bindemaschine zu bedienen.

Parallel zur Vorbereitung des Endberichtes waren wir mit der Ausschreibung der Stipendien für das Jahr 2014/2015 beschäftigt. Es wird hier anders, als in unserer Schule organisiert. Die Schüler und Studenten aus fast allen Instituten dürfen sich bewerben. Erst wenn eine Bewerbung erfolgreich ist (und die Konkurrenz zwischen Studenten ist groß), kann der Schüler/Student erfahren, wohin er fahren wird. Man darf nicht, sich selbst ein Land oder ein Unternehmen aussuchen, wo man das Praktikum machen möchte. Und die Praktika dauern nur 3 Wochen. Da muss ich sagen, dass wir wirklich Glück mit unseren 5 monatigen Praktika haben. Ich brauchte gut 2 Wochen, um mich in die neuen Aufgaben einzuarbeiten. Und eigentlich lohnt es sich für Antoinette, mich tiefer in die Arbeit der Abteilung einzuführen nur darum, weil ich so lange hier bleibe und eine konkrete Leistung bringen kann.

Letzte Woche fanden auch mehrere Info-Treffen statt, die diejenigen Schüler, die in den nächsten Wochen ins Ausland fahren, zum Praktikum vorbereiten sollten. Aus diesem Grund musste ich mit den Schülern (16 Personen) telefonisch Kontakt aufnehmen, um den Temin des Treffens zu besprechen und festzulegen. Dann habe ich auch für sie die Verträge vorbereitet. Da drei Schüler ihre Praktika in Deutschland absolvieren werden, habe ich ihnen geholfen, eine Ferienwohnung zu finden.

Ich hatte auch die Möglichkeit, an drei Info-Veranstaltungen in der Nationalagentur teilnehmen, die der Einführung der Reform von Erasmus Programme gewidmet waren. Die Programme Erasmus und Leonardo da Vinci werden ab nächsten Jahr (also ab der gerade veröffentlichten Ausschreibung) unter einen Schirm gebracht und ERASMUS+ genannt. Die erste Veranstaltung war eine allgemeine Einführung in das neue Programm, die zweite konzentrierte sich auf Praktika und Studienreisen für Studenten und die dritte betriff die Praktika für Schüler.

Die neue Ausschreibung der Stipendien ist jetzt offen. Ich habe die Plakatentwürfe vorbereitet und, zusammen mit Antoinette, ca. 2800 Info-SMS an Schüler und Studenten verschickt. Meine Aufgabe war es, diejenigen Schüler und Studenten (aus insgesamt ca. 6000) auszusortieren, die sich um ein Stipendium bewerben dürfen. Ich bin sowohl auf dem Plakat, als auch in der SMS als eine Ansprechpartnerin angegeben. Deswegen bekam ich innerhalb einer Stunde über 50 E-Mails mit Fragen aller Art. Als ich diese Woche am Montag ins Büro kam, warteten auf mich über 130 Nachrichten und es kamen immer neue. Diese Woche bin ich praktisch ausschließlich damit beschäftigt, die Fragen bezüglich der Bewerbungen zu beantworten.

La viva Sant Pawlu!

Mittwoch, 12.02.2014

...na klar, dank dir und dank dem Schiffsunglück, den du hier erlebt hast gibt es einen Grund mehr zum Feiern. Und jeder Grund zum Feiern ist gut Lachend.

 

Ich wollte sehen, wie die Malteser feiern und dieser Fest war eine gute Gelegenheit, dies zu beobachten und Rabat und Mdina zu besichtigen. Nach einem Besuch in Sankt Paulus Grotte und in der Sankt Paulus Kirche, wo ich an einem sehr fröhlichen Gottesdienst teilgenommen habe, besichtigte ich auch die Sankt Paulus Katakomben, die (im Gegenteil zu den anderen zwei Orten) wirklich sehenswert sind. Man kann sich dort einen Audio Guide ausleihen und ich empfehle es herzlichst, weil nur mit der detalierten Ärklärungen vom Audio Guide kann man die Bedeutung dieses Ortes verstehen, sonst sind es für einen „nicht gelehrten“ Besucher nur Felsen und Löcher in denen.

Am Abend, als ich nach Valletta kam, beobachtete ich eine lustige Prozession mit einer riesigen Figur des heiligen Paulus. Als die Figure getragen von 6 Mänern aus der Sankt Paulus Kirche auf die Straße gebracht wurde, fingen die Menschen an zu klatschen und zu rufen „La viva Sant Pawlu!“. Es gab auch tonenweiise Konfetti, aber nicht in dieser Form, wie wir es kennen. Nein, das war ganz schlicht Papier geschnitten in Aktenvernichtern.

Blick aus meinem Balkon Rabat - Sankt Paulus Grotte Rabat Mdina Mdina Mdina Mdina Mdina Mdina Mdina Mdina Mdina Mdina Valletta Valletta Valletta Valletta

zwei intensive Wochenenden

Mittwoch, 12.02.2014

Es ist höchste Zeit, wieder was über mein Praktikantenleben zu berichten. Seit fünf Wochen lebe ich auf Malta und ich wundere mich, wie schnell diese Zeit gelaufen ist und wie viel ich schon gesehen und erlebt habe. Wie ich über Facebook erfahren habe, einige Personen aus meiner Klasse zählen die Tage zum Rückkehr nach Hause, als ob das Praktikum eine Strafe zum Abbüßen wäre. Ganz ehrlich: ich zähle die Tage gar nicht (außer diesen zum Besuch meines Mannes), weil ich mich hier in Malta und hier an MCAST sehr, sehr wohl fühle.

An zwei letzten Wochenenden habe ich einige sehr interessante Orte besucht. Da ich Wanderungen liebe, habe ich mich entschieden Malta auch zu Fuß zu erkundigen. Alle Ortschaften hier sind so klein, dass es fast unmöglich ist, innerhalb einer Stadt (ich habe den Eindrück, dass die Malteser es als beleidigend empfinden, wenn eine Ortschaft hier auf dem Insel als Dorf bezeichnet wird) einen längeren Spaziergang zu machen. Ein Viertel der Insel ist aber genau für eine zwei- dreistündige Wanderung passend.

Am vorletzen Wochenende bin ich mit einem Bus in Richtung Süd-Westen nach Digli gefahren, wo es sehr schöne Klippen gibt. Dieser Teil der Insel ist viel mehr grün, dort befinden sich viele Bauernhöfe, die aber ganz anders von den Riesen in Deutschland sind. Sie erinnern mehr an die Kleingärten, die man bei uns eher am Stadtrande sehen kann. Auf sehr kleinen Gründstücken, die immer mit einer charakteristischen Mauer aus kleinen Steinen und mit einer anderen – lebendigen - aus Kakteen umgeben sind, wachsen Orangen- und Zitronenbeäume und alle möglichen Gemüsearten. Ich wollte unbedingt außer der Klippen auch diese bunte und gemütliche Gärten besser sehen, die man leider aus dem Bus von der Haupstraße überhaupt nicht bobachten kann. Deswegen habe ich mich entschieden, aus Digli zu Fuß nach Rabat zurückzukommen. Das war eine sehr schöne Strecke. Ich musste mich nur sehr beeilen, weil sich hinter meinen Rücken ein Gewitter am Meer entwickelte. Gut, dass Rabat auf einem Hügel gebaut wurde, weil die Wanderwege hier nicht wirklich gut bezeichnet sind. Man muss sich eher nach der Sonne orientieren. Ich konnte aber den Ziel meiner Wanderung ab und zu in der Ferne sehen und das war natürlich sehr hilfreich.

An dem Samstagabend ging ich ins Kino. Filme werden hier in der Originalversion vorgeführt. Ich habe mich für den Film „Nelson Mandela – long walk to freedom“ entschieden. Der Film ist sehr interessant (ausgenommen die ersten 30 Minuten, während die Jugend von Nelson Mandela banal und sehr vereinfacht erzählt wird) und zu meiner großen Überraschung konnte ich wirklich fast alles verstehen. Am schwierigsten waren die Momente, wenn es über Politik und über verschiedenen politischen Ideen die Rede war – da fehlte mir die Kenntnisse von Fachbegriffen, aber ansonsten konnte ich die Handlung normal verfolgen.

Am letzen Wochenende, das wegen des Feiertages am Montag 3 Tage dauerte, besuchte ich Birzebuggia mit einem schönen Strand, der sich aber gleich neben eines Hafens befindet und Marsaxlokk – eine kleine Fischerstadt (natürlich kein Fischerdorf), wo jede Woche am Sonntag ein Fischmartk organisiert wird. Ich war dort am Samstag, also ohne Fischmartk zu sehen, aber trotzdem konnte ich die bunten Fischerboote beobachten und einen super leckeren Krake kosten.

Ich bin von Birzebuggia zu Fuß nach Marsaxlokk gekommen und nach dem Mittagessen habe mich enschieden, weiter nach Marsascala zu wandern. Dieser Weg war aber ganz schlecht beschriftet, so dass ich statt Marsascala die Stadt Zejtun erreicht habe. Der Weg entlang des Ufers überhaupt nicht zu finden war. Letztendlich erreichte ich am Abend Marsascala, aber ganz erschöpft fuhr ich dann gleich nach Hause.

 

Wie schön der frühe Frühling hier ist, werde ich nicht erzählen. Die Fotos sprechen für sich selbst.

     Marsaxlokk auf dem Weg nach Marsaxlokk     Zitronenbäume Dingli

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.