Berichte von 01/2014

Die 3. Woche – Wie viel sind die Klischees wert? - meine Erfahrung mit der südländischen Arbeitszeit und –weise.

Freitag, 31.01.2014

"Wirst du dein Praktikum auf Malta absolvieren? Ach, du wirst sicher mehr Zeit auf dem Strand als im Büro verbrignen. Man weiss ja schon, wie die Südländer arbeiten." - Ungefähr so haben die meisten von meinen Bekannten auf die Nachricht über mein Praktikum reagiert. Nichts ist so täuschend, wie solche Verallgemeinerungen. Wer sind eigentlich "die Südländer"? Darf man überhaupt Menschen, die doch so unterschiedlich sind, alle in einen Topf werfen? Eins kann ich sagen: kaum jemand hat Ahnung, wie die Südlender wirklich arbeiten, zumindest die Südländer auf Malta.

Diese Woche war doch ganz anders, als ursprüglich geplant. Antoinette ist planmäßig nach Polen geflogen, aber es kamen auf mich völlich andere Aufgaben, als ich dachte. Ich habe zwar angefangen, die Unterlagen zur Kontrolle durch die Nationalagentur zusammenzustellen, aber die meisten Zeit war ich mit Vorbereitung einer internationalen Konferenz beschäftigt. Diese fand heute statt und sie war wirklich imposant: 250 Gäste, inkl. den Premier Minister und Minister für Bildung und Arbeit, viele internationale Gäste usw. Das war die erste große Konferenz, die von MCAST organisiert wurde und gleichzeitig die erste, die hier auf dem Campus stattfand. Und das Wort "erste" ist der Schlüssel zu dem ganzen Ereignis. Die für Organisation zuständige Mitarbeiter waren alle unglaublich aufgeregt und zum Teil auch unprofessionell. Man muss jedoch sagen, dass das Ergebnis letztendlich sehr gut war, nur der Weg dazu war sehr lang und absurd.

Das Hauptthema der Konferenz war die Kooperation zwischen MCAST und verschiedenen Betrieben, oder besser gesagt: mit der Wirtschaft allgemein. Es ist ein sehr interessantes und aktuelles Thema, und zwar geht es darum, wie die jungen Menschen zum Eintritt ins Berufsleben am besten vorbereitet werden können und welche Rolle dabei eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Schulsystem und den zukünftigen Arbeitgebern spielt. MCAST arbeitet mit unglaublich vielen Firmen wie z.B Lufthansa, Microsoft, HP zusammen. Zu Ende der Konferenz wurden fast 50 Zertifikate über die Zusammenarbeit zwischen MCAST und verschiedenen Firmen präsentiert. Und damit war meine erste Aufgabe verbunden, und zwar ich sollte die Zertifikate ins Natonalministerium für Bildung und Arbeit bringen, damit der Minister sie unterschreiben kann.

Das Ministerium befindet sich in Valletta, wohin ich durch einen Fahrer mit dem Auto gebracht wurde. Zu meiner Überraschung wird man hier am Eingang überhaupt nicht kontroliert. Es reichte, dass ich sagte, zu wem ich möchte und das Ministerium stand für mich offen, ohne dass ich mich vorgestellt habe. Zu meiner noch größeren Überraschung stellte sich ungefäht zwei Stunden später heraus, das der Minister die Zertifikate bereits unterschrieben hat und ich musste mich wieder auf den Weg machen. Das war der Mittwoch, an dem ich nur eine Stunde länger im Büro bleiben musste. Nicht ohne Bedeutung ist, dass die normale Arbeitszeit an MCAST um ca. 7:45 - 8:00 Uhr beginnt und erst um 16:45 endet.

Gestern begann der richtige Chaos. Es stellte sich plötzlich heraus, dass für den letzten Tag unglaublich viele Aufgaben eingeplant wurden, die normalerweise viel früher erledigt werden sollten. Die Mappen für die Teilnehmer zusammenzustellen, die Lieferungen von Kaltgetränken anzunehmen (und dabei festzustellen, dass die Lieferung total falsch ist), Namensschilder vorzubereiten (eigentlich zu basteln. Als ob es keinen Duplex-Druck gäbe, musste ich 500 Zettelchen paarweise zusammen kleben und die auf diese Weise entstandenen 250 Namensschilder noch mit einer Schere  zuschneiden und jedes Schild in eine kleine Plastiktüte stecken) - wieso konnte all das nicht einfacher und nicht früher erledigt werden?

Gegen 18:00 Uhr meldeten sich die ersten Büros von jeweiligen Teilnehmer der Konferenz mit Fragen, wo die Parkplätze sich befinden und, wie die Registrierung der Gäste organisiert wird. Die zuständige Mitarbeiterin war empört: "Sie werden alle Informationen noch am diesen Nachmittag per E-Mail erhalten!". Vielleicht sehe ich alles falsch. Vielleicht gehört 18:00 Uhr zum Vormittag und der Nachmittag fängt gegen 20:00 Uhr an und erst dann kann man sich Gedanken machen, ob es nicht endlich die richtige Zeit ist, nach Hause zu gehen? Ich verlass das Büro um 20:30 Uhr und nach 12,5 Stunden Arbeit mit 40 Minuten Pause habe ich überhaupt nicht gespürt, dass ich müde war. Ich habe nichts mehr gespürt.

Eine Ergänzung: ich betrachte es doch als eine “interessante” Erfahrung (nun bitte nicht zu oft so was) und ich habe keine Absicht, mich jetzt zu beschweren. Wenn Antoinette zurück kommt, werde ich mit ihr darüber sprechen und ich bin sicher, dass die Zeit als Überstunden anerkannt wird und ich mal früher gehen darf – zum Strand selbstverständlich :).

Die 2. Woche - Einarbeitung in neue Aufgaben, weil ich nächste Wochen allein im Büro bleiben soll

Dienstag, 28.01.2014

Den Streß, der mit dem Start an einem neuen Ort immer verbunden ist, darf ich hoffentlich hinter mir lassen. Ja, ich fühle mich auf jeden Fall sicherer und besser. Die Leute sind nicht immer so fremd, ich kann ganz viele Gesichter im Bus erkennen, weil jeden Tag die gleichen Menschen auf meiner Haltestelle mit mir warten und ich traue mich langsam sie zu grüßen. Schade, dass ich mit ihnen nicht plaudern kann. Die meisten sprechen doch nur Maltesisch. Tja, der uns längst versprochene Maltesisch-Kurs wäre ganz nützlich, aber ob es noch etwas daraus wird, das weiß ich nicht.

Die zweite Woche fing mit einem Treffen mit einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft an. Dieses fand im Hauptsitz des Deutsch-Maltesischen Kreises (German-Maltese Circle), in einem sehr schönen Gebäude, genannt vom Namen eines früheren Besitzers: "Villa Messina". German-Maltese Circle erfüllt auf Malta die Aufgaben des Goethe Instituts und arbeitet eng mit der deutschen Botschaft. Wir wurden von dem Mitarbeiter - Herrn Rieck - ins politische System und die aktuelle politische Lage auf Malta eingeführt. Das Treffen war kurz und sachlich. Dann durften wir noch eine Stunde in Valletta verbringen, um gegen Mittag in der Arbeit zu erscheinen.

Zum Anfang der Woche habe ich die Ablage der Bewerbungsunterlagen und der Dokumentation einer Kontrolle dieser Unterlagen, die 2 unabhängige Kontrolleure durchgeführt haben, fortgesetzt. 

Als nächstes soll ich anfangen, mit Mobility Tools zu arbeiten. Ich werde die Daten der diesjährigen Stipendiaten (die meisten fahren im Sommer aus) in die Datenbank angeben und die Informationen zu der Mobilität ergänzen. Antoinette hat mir das Ganze erklärt, aber ich muss noch ein bisschen üben, weil die Mobility Tools für Erasmus ganz anders sind, als für Leonardo.

Ich wurde auch teilweise in das Thema „Kontrolle durch die Nationalagentur“ eingeführt. Parallel zu Mobility Tools werde ich mit der Vorbereitung der Unterlagen zur Kontrolle von der Agentur beschäftigt. Da Antoinette ganze diese Woche in Polen verbringt, hat sie mich gründlich vorbereitet, damit ich selbstständig arbeiten kann. Ich habe auch an einem Treffen eines Institutsleiters mit den Kontrolleuren der Nationalagentur teilgenommen und durfte erfahren, wie die Kontrolle der Finanzen und der Projekte selbst durchgeführt wird.

Ich war auch ganz viel mit Vorbereitung des Umzugs einer Kollegin, die mit uns das Zimmer teilte, beschäftigt. Ich musste ihre Kartons nicht packen, aber dafür die ganze Dokumentation der Unterlagen (26 Kartons voller Ordner) und Excel-Listen und Beschriftung für die Kartons vorbereiten, damit die Dame später ihre Unterlagen schnell wiederfinden kann.

Zum Ausklang der intensiven Woche habe ich mir einen Konzertabend gegönnt. Der erste Vorteil von dem Internationalen Studentenausweis: 50% Ermäßigung :). Das Konzert fand im Rahmen des Festivals: The Valletta Baroque Festival statt. Das Programm enthielt vor allem klassizistische Musik: sehr schöne Fragmente von Boccherini, Marcello und Vivaldi, gespielt von Ensemble Baroque de Toulouse und einem Gitarristen - Simon Schembri. Ich mag die alte Musik sehr und konnte den Abend in einer schönen Atmosphere genießen. Draußen begann gerade ein großer Sturm. Man konnte ab und zu im Hintergrund hören, wie der Wind weht (das Konzert fand in einer Kirche in Valletta, der Raum war also akustisch nicht ganz isoliert). Der Abend war einzigartig.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit....zwei meditative Abende in Dunkelheit und was ich so sonst letzte Woche gemacht habe.

Mittwoch, 22.01.2014

 

Ohne Strom kann man in meinem Apartment ganz wenig tun. Man kann nicht ins Internet , man kann nicht lesen (nicht am Abend), nicht (warm) duschen, nicht kochen.... Was kann man dann eigentlich tun? Diese Frage habe ich mir immer wieder am Dienstag gestellt, als ich ganz verzweifelt in Dunkelheit auf meinen Vermieter wartete und er kam erst um Mitternacht.

Letztendlich muss ich aber sagen, dass er sich ganz gut um schnelle Reparatur der Elektrik gekümmert hat und ich habe den Eindruck, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Am Dienstag war das aber für mich höchst fragwürdig und ich habe mich echt schon Sorgen gemacht. Und so war es bis Mittwoch Abend, als bei mir „Licht ward “.

Im Gegenteil zum Nichts Tun zu Hause, waren die Tage auf Arbeit interessant. Ich durfte an einem Treffen einer deutschen Delegation von Mitarbeitern der Agentur für Arbeit und eines Mitarbeiters der Deutschen Botschaft mit den Leitern mehrerer Institute teilnehmen. Da der Mangel an qualifizierten Fachkräften auf dem deutschen Arbeitsmarkt groß ist, ist die Agentur für Arbeitsvermittlung darauf konzentriert, nach Fachkräften im Ausland zu suchen. Die Delegation ist nach Malta wegen einer internationalen Job Messe (organisiert von EURES), wollten aber bei der Gelegenheit ihr Angebot in MCAST verbreiten.

Die Institutsleiter präsentierten kurz die Lehr- und Studiengänge (MCAST ist eine Mischung von Berufsschule und Berufsfachhochschule) und erzählten von der Karriereplanung ihrer Studenten und Absolventen. MCAST arbeitet sehr eng mit mehreren Unternehmen (u. A. deutschen Firmen) und man legt einen großen Wert darauf, dass die Studenten neben der Theorie, viele praktische Fähigkeiten beherrschen und möglichst viele Berufserfahrungen sammeln. Die meisten Absolventen der technischen Lehrgänge haben schon vor dem Abschluss einen festen Arbeitsvertrag. Es war wirklich beeindruckend zu hören, inwieweit es den Institutsleitern auf dem Herzen liegt, den Studenten nicht nur das Wissen zu vermitteln, sondern sie zum effektiven und selbstbewussten Handeln auf dem Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Ein so kleines Land wie Malta könnte es sich eigentlich nicht leisten, den qualifizierten jungen Menschen einfach auswandern zu lassen.Wer würde dann hier bleiben? An dieser Stelle muss ich leider an meinem Heimatland denken, aus dem in den letzten Jahren fast 2 Millionen Menschen ausgewandert sind. Tja, kein Wunder, dass es heutzutage fast unmöglich ist, eine junge Krankenschwester in einem polnischen Krankenhaus zu treffen.

Aber jetzt zurück nach Malta und MCAST.

Als nächstes kam auf mich Ablage von Unterlagen - Aufgabe, die nach einigen Stunden total nervt, die man aber mit ein bisschen Geduld ganz gut dazu nutzen kann, sich ein Überblick über Verfahren, Strukturen, Zuständigkeiten usw. zu verschaffen. Und das genau versuche ich zu tun. Es geht zwar bisschen langsamer, aber letztendlich will ich ja nicht nur ohne Ende lochen und tackern, sondern auch was dabei lernen. Das Bewerbung- Auswahl- und Kontrollverfahren in den europäischen Programmen ERASMUS und LEONARDO DA VINCI ist ein breites und kompliziertes Thema, mit dem ich mich auseinandersetzen darf. Ich freue mich dabei sehr, dass ich mir Zeit dafür nehmen kann, dieses Thema zu vertiefen und mit meiner Ausbilderin darüber zu diskutieren. Der Austausch von Erfahrungen und Meinungen gehört selbstverständlich zu einem Auslandspraktikum und auch wenn es manchmal nach einem einfachen Plaudern aussieht, sind diese Gespräche meiner Meinung nach schwer zu überschätzen.

Die erste Arbeitswoche war sehr schnell zu Ende. Dann kam ein schönes Wochenende mit Sonne und fast 20 Grad am Sonntag. Diese Tage habe ich für die Erkundung der Gegend genutzt und wie diese aussieht, das zeigen am Besten die Bilder...

Sonntag in Marsascala Sonntag in Marsascala meine Straße in Cospicua Cospicua 

ganz oben: Sonntag am Meer in Marsascala und dann meine Strasse in Cospicua und die Promenade am Ufer in Cospicua.

Blick aus meinem Balkon:

Blick aus meinem Balkon noch aus meinem Balkon

 

kulinarische Experimente und ihrer Ergebnisse...

kulinarische Experimente... ...und die Ergebnisse

die ersten zwei Tage.... also noch vor dem großen Stromausfall

Sonntag, 19.01.2014

 

Zwar bisschen spät, aber immerhin möchte ich beginnen, über meine Aufenthalt auf Malta zu berichten. Heute, als ich diesen Text schreibe ist die erste Woche schon zu Ende, aber ich will trotzdem erst daran zurückdenken, als ich am 12. Januar mit vor Freude und Schrecken klopfendem Herzen auf Malta gelandet bin.

 Mit einer keleinen Verspätung bin ich sehr komfortabel nach Hause gebracht worden. Ein Cousin von meinem Vermieter wartete auf dem Flughafen geduldig mit einem Namensschild in der Hand. Gleich im Auto durfte ich feststellen, dass nicht alle Malteser fließend Englisch sprechen. Tja, mein Autofahrer schwieg fast ganze Zeit während der Fahrt.... Zum Glück sollte es sich bald herausstellen, dass er mit seinem Charakter definitiv zu einer Minderheit auf der Insel gehört. Ich kann schon jetzt mit ganzer Sicherheit sagen, dass die Malteser zu den herzlichsten Menschen gehören, die ich jemals getroffen habe.

Der erste Tag an MCAST begann mit einer Führung durch den Campus. Wir traffen uns alle mit unserer Koordinatorin und zugleich meiner Ausbilderin, die uns ausser allgemeiner Informationen über Malta alle organisatorische Details erklärte. Die Tipps zu den besten Badestandorten und dazu, wo man mit Delfinen baden kann, habe ich sehr sehr fleissig notiert.

Da meine Ausbilderin, Antoinette, zu Ende des Monats geschäftlich nach Polen fliegt, habe ich gleich am ersten Tag bei der Vorbereitung der Reise geholfen: Internetrecherchen gemacht, Bahntickets online gebucht und mit der Infohotline der Polnischen Bahn telefoniert und Busverbindungen ausgesucht usw. Ich bin hierher nicht gekommen, um meine Polnisch-Kenntnisse zu üben, aber alle auf Polnisch erworbene Informationen dann auf Englisch zu erklären, das war für mich schon eine Herausforderung – und das gleich am ersten Tag.

 Jetzt mache ich mich auf den Weg nach Valletta, um zu gucken, wie die Menschen hier den Sonntag feiern. Dann melde ich mich mit weiteren Erinnerungen an der letzten Woche.

noch ein Tag zu Hause und... es geht los

Freitag, 10.01.2014

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse auf Malta berichten.