Berichte von 05/2014

Der letzte Monat auf Malta hat begonnen.

Freitag, 23.05.2014

Genau in einem Monat werde ich meine Sachen packen, die Wohnung aufräumen und langsam den Abschied von Malta nehmen. Ich fühle mich schon an MCAST wie zu Hause und gerade jetzt muss ich weiterziehen. Ein Azubi ist wie ein Pilger: er muss sich immer wieder auf den Weg machen. Vielleicht läßt mich Antoinette noch mit irgendwelchen neuen Aufgaben überraschen, aber im Prinzip denke ich jetzt schon daran, manche von meinen jetzigen Aufgaben langsam abzuschließen und die Dokumente, die ich auf meinem Computer abgespeichert habe, zu sortieren und an Antoinette zu übergeben. Dasselbe muss ich mit meinen E-Mails machen. Im Gegensatz zu allen IT Systemen, die ich in den Berliner Behörden gesehen habe, werden die Dateien hier nicht zentral auf irgendwelchen Servers, sondern nur lokal auf den Computer gespeichert. So müssen wir auch mit Antoinette per E-Mail wichtige Dateien ständig hin und her schicken und tauschen, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Das macht die Arbeit komplizierter und kostet Zeit, aber es ist hier einfach so und umso mehr muss ich mich jetzt darauf konzentrieren, alle wichtigen Dokumente und Kontakte an Antoinette weiterzugeben.

Das Sortieren und Aufräumen bringt mich auch dazu, die letzten Monate langsam auszuwerten. Das, was mir bisher am wichtigsten scheint, ist die Tatsache, dass ich mich hier nicht mehr wie eine Praktikantin fühle, die eigentlich nur als Aushilfe dient, sondern, dass ich selbstständig arbeiten darf. Diese Erfahrung ist für mich eine Gelegenheit, zu beweisen, dass ich ganz selbstständig arbeiten kann und das hat große Bedeutung für mich.

Und was geschah in den letzten Tagen im International Office?

Es ist unglaublich schwierig neue Praktikumsplätze für die Design Studenten zu finden. Von vielen Firmen bekomme ich überhaupt keine Antwort (Antoinette meint, dass es eigentlich normal ist) und die meisten Firmen wünschen sich Praktikanten, die keine Studenten mehr sind, sondern am besten schon eine Arbeitserfahrung haben. Tja, so ist eben die Situation auf dem Markt - Menschen arbeiten in dieser Branche jahrelang als Praktikanten und erhoffen sich, auf diese Art und Weise mal einen festen Job zu finden. Übrigens: so wie ich jetzt hier die EU Strategie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit der jungen Menschen beobachte, sehe ich, dass Milionen von Euro zusätzlich für Praktika ausgegeben werden. Jetzt dürfen nicht nur Praktika von Studenten, aber auch von Absolventen aus der EU Mittel finanziert werden. Da diese Praktika für die aufnehmende Unternehmen kostenfrei sind, frage ich mich, ob irgendwelcher Arbeitgeber noch junge Menschen einstellen wird, wenn er sie kostenfrei als Praktikanten haben kann. Die Statistiken werden bestimmt besser, weil ein Praktikant nicht mehr als Arbeitsloser gilt, aber die normalen Arbeitsplätze werden knapper. Oder sehe ich es falsch?

Letzte Woche war ich noch ganz viel mit Vorbereitung der Verträge für die Mitarbeiter beschäftigt, die in den nächsten Tagen ins Ausland fahren. Dann musste ich die Endberichte von mehreren Studenten lesen (ich bin gespannt, ob unsere Berichte gleich aussehen. Wenn ja, dann wird es nicht so schlimm sein) und sie entweder online akzeptieren oder zurückschicken. Mobility Tool ist alles andere als ein zuvelässiges Werzeug. Die Studenten beschweren sich immer wieder, dass es bei ihnen nicht funktioniert. Auch ich habe sehr oft Probleme mit dem Herunterladen von Berichten. Man muss auf jeden Fall die Datei zuerst auf dem Computer speichern, sonst kann man sie nicht öffnen. Letztendlich habe ich es aber geschafft, die Berichte zu öffnen und zu drucken.

Gestern und heute bin ich ganz viel mit meinem EuroPass beschäftigt. Ich habe mich entschieden, außer der deutschen auch eine englische Version zu verfassen. Es ist nicht einfach, alle erworbene Kompetenzen auf Englisch zu formulieren. Diese Woche konnte ich aber in aller Ruhe daran arbeiten, weil Antoinette nach Norwegen verreisen ist und ein anderer Kollege, der mit uns das Zimmer teilt, krank ist.

Nächste Woche endet mein Maltesisch Kurs. Ich habe bisher nicht viel darüber geschrieben, weil es auch nicht wirklich viel zu sagen gibt. Während die Sprache sehr interessant ist und es lohnt sich auf jeden Fall ihre Grundlagen zu lernen, war der Kurs selbst eher miserabel. Ich würde das German-Maltese Circle nicht weiter empfehlen. Die Gruppe war zwar klein (nach ein paar Wochen sind 7 Personen geblieben), aber die Lehrerin hat sich absolut keine Mühe gegeben, uns wirklich was beizubringen. Wir haben unglaublich wenig gesprochen, eher laut gelesen, um die Aussprache zu üben und immer wieder schriftliche Übungen gemacht. Eigentlich das, was als Hausaufgabe dienen könnte, war der Kern des Unterrichtes. Wir haben tonenweise Materiall bekommen (Kopien von sehr schlechten Qualität), um dann selbst zu Hause zu lernen, aber  wenn man 9 Studnden am Tag auf Arbeit sitzt, bleibt es nicht wirklich viel Zeit und Kraft für das Lernen danach.

Auch das Kursmanagement lässt viel zu wünschen übrig. Da der Unterricht am 2. Mai von der Lehrerin abgesagt wurde und die ganze Gruppe sich auf den kompletten Kursausfall in der betreffenden Woche geeinigt hat, wurde gleichzeitig festgelegt, dass der Kurs um eine Woche verlängert wird. Die Lehrerin hat den Vorschlag gerne akzeptiert.
Überraschend aber
haben am Sonntag zwei Personen eine SMS bekommen mit der Nachricht, dass der Unterricht doch stattfindet, aber nicht am Freitag, sondern am Dienstag, den 29. April (ich habe keine Nachricht erhalten, weder per SMS, noch per E-Mail). Nur eine Person kam am Dienstag und der Unterricht fand statt! Als der Rest der Gruppe die Lehrerin diesbezüglich nächste Woche ansprach, wollte sie nicht mehr von der Verlängerung des Kurses hören.

In zwei Wochen kommt mein Mann zum letzten Besuch und, um mich dann endlich nach Hause mitzunehmen. Es sind noch ein paar interessante Orte, die wir zusammen besuchen möchten. Vor einigen Wochen habe ich für uns Karten zum Hypogeum gekauft. Hypogeum ist ein neolithischer, unterirdischer Tempel in Tarxien, ganz in der Nähe von MCAST.  Es dürfen nur 10 Personen auf einmal den Tempel besichtigen und aus diesem Grund muss man die Karten viel, viel früher besorgen. Außerdem würde ich gerne zum Ausklang des Aufenhaltes hier, eine schöne Schifffahrt rund um Malta, nach Comino und Gozo machen, um noch mal all diese Orte, wo ich so viele schöne Momente erlebt habe, zu sehen und den Abschied von ihnen zu nehmen. Aber ich bin sicher, dass ich noch irgendwann nach Malta zurückkommen werde.

Besuch von meinen Eltern und eine normale Woche auf Arbeit

Samstag, 10.05.2014

Die letzten zwei Wochen waren wieder sehr intensiv und abwechslungsreich. Eine von ihnen habe ich mit meinen Eltern verbracht. Wir fuhren zusammen nach Blue Grotto und dann besuchten wir gleich die neolythischen Tempeln in Hagar Qim, die sich gleich in der Nähe befinden. Natürlich waren wir auch in Valletta und in Mdina, wo wir von dem wunderschönen Cafe Fontanella, auf einer Terrasse auf den Mauern von Mdina, den prächtigen Blick auf fast ganze Insel genossen haben.

Da meine Mutter in den nächsten Tagen ihr siebzigsten Geburtstag feiern wird, habe ich schon seit längerer Zeit überlegt, was ich ihr im Voraus zu diesem besonderen Tag schenken könnte. Letztendlich habe ich mich für eine ganztägige Schiffsreise rund um Malta, nach Comino zu Blue Lagoon und nach Gozo entschieden. Das war eine gute Idee. Meine Eltern waren mit den Landschaften begeistert. Sie genossen die Zeit auf dem Schiff in der Sonne, beobachteten die im Freien lebende Delphine und machten noch in Blue Lagoon eine Fahrt mit Speed-Booten.  

Nachdem sie zurück nach Krakau geflogen sind, habe ich mich wieder mehr auf der Arbeit konzentriert. Da der Praktikant aus Belgien in den letzten drei Wochen uns unterstützt hatte, konnte ich mich der Suche nach neuen Praktikumsplätzen für die Studenten widmen, während er die Bewerbungen, die im Rahmen der neuen Ausschreibungen eingereicht wurden, registrierte und den ganzen Papierkram für mich erledigte. Tja, nun ist sein Praktikum jetzt zu Ende und ich werde wieder alles selbst erledigen müssen.Da Antoinette so gut wie keine Zeit für den Praktikanten hatte, musste ich teilweise die Rolle der Ausbilderin übernehmen. Ich musste ihn in alle Aufgaben einarbeiten und zum Teil auch neue Aufgaben für ihn aussuchen.  

Wie ich früher erwähnt habe, bin ich jetzt ganz viel mit der Suche nach neuen Praktikumsplätzen beschäftigt. Da im Rahmen der Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit von jungen Menschen in der EU, das Budget für das Erasmus+ Programm sehr erhoben wurde, wird MCAST viel mehr Studenten ins Ausland schicken. Es macht mir unglaublich viel Freude, nach neuen Partnern zu suchen und Kontakte zu verschieden Firmen aufnehmen. Letzte Woche habe ich ein Platz für IT Student/in in Großbritannien gefunden und ich bin im Kontakt mit zwei Firmen in Breslau. Ich bin sehr gespannt,  wie sich die Gespräche weiter entwickeln. 

Da am Morgen in der Familienstadt von Antoinette, in Hal Kirkop, das alljährliche Ricotta-Fest stattfindet und, da Antoinette sich, wie fast alle hier, sehr in die regionale Politik engagiert, durfte ich sie gestern während der Vorbereitungen zu dem Fest begleiten. Wir waren zwei mal in dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo sie Werbung für das Fest machte. Außerdem haben wir die Grundschule in Hal Kirkop besucht, wo eine lokale Molkerei das Frühstück für die Kinder gesponsert hatte. Zu dem Frühstück waren zwei Minister eingeladen, auch der Bürgermeister mit fast allen Mitarbeitern des Rathauses kamen in die Schule. Es ist unglaublich, wie jede kleinste Gelegenheit von den Politikern hier genutzt wird, um Werbung für sich zu machen und, dass die Menschen nicht nur nichts dagegen haben, aber sich sogar darüber freuen. Die Kinder haben ein bisschen Schokoladenmilch und Joghurt bekommen, aber die hochrangigen Politikern ließen sich mit so stolzen Mienen fotografieren, als ob sie eine Weltwunder gebaut hätten. Dann waren wir noch im Rathaus, um in sehr familiären Atmosphäre kurz zu plaudern. Ich habe bei der Gelegenheit die Mutter von Antoinette kennengelernt, die gerade in der Nähe Einkäufe gemacht hatte und auch ins Rathaus kam.  

So verläuft meine Zeit hier. Es sind nur noch 6 Wochen von den 5.5  Monaten übrig geblieben. Langsam spüre ich, immer öfter mit meinen Gedanken in Berlin zu sein. Ich bin schon  gespannt, wo ich mein nächstes Praktikum absolvieren werde. Mein Urlaub in August wurde bestätigt so, dass ich auch die Reise nach Amsterdam und von dort nach Krakau langsam planen kann. Das Leben läuft unerschütterlich weiter...