Die letzten 2,5 Wochen im Überblick

Sonntag, 09.03.2014
Ich habe mich über einen längeren Zeitraum nicht gemeldet. Nicht, dass ich meinen Blog und dessen Leser vergessen hätte. Es fehlt mir die Zeit. Sie läuft nicht mehr, sie galoppiert wahnsinnig und und ich kann irgendwie nichts dagegen machen.
 
Seit vier Wochen nehme ich an einem Maltesisch Kurs teil. Ich bin die einzige aus unserer Gruppe, die sich für den Kurs entschieden hat und es war eine sehr gute Entscheidung. Der Kurs wird von dem Deutsch-Maltesischen Kreis, von dem ich schon einmal am Anfang geschrieben habe, organisiert. Die Gruppe ist klein (8 Personen) und sehr gemischt.  Zum Teil sind es Studenten und Praktikanten, wie ich, aber die meisten Teilnehmer sind Ausländer, die nach Malta umgezogen sind und hier für längeren Zeitraum bleiben wollen.
 
Maltesisch ist die einzige semitische Sprache in der EU und die einzige semitische Sprache, die das lateinische Alphabet übernommen hat. De facto ist das eine bunte Mischung aus der arabischen, italienischen und  englischen Sprache. Die Grammatik ist arabisch und deswegen auch total neu für mich. Die Logik der Sprache ist absolut anders von allem, was ich kenne. Es gibt zum Beispiel kein Wort für “sein”/ ”da sein” im Präsens. Es gibt aber ein Wort für “nicht sein”. Ein grammatisches Nihilismus Zwinkernd. Ich finde die Sprache echt faszinierend. Schon früher habe ich überlegt, ob ich nicht einmal anfangen soll, Arabisch zu lernen. Das Lernen von Maltesisch macht diese Überzeugung nur stärker.
 
Und was gibt es neues im Büro?
Seitdem ich zum letzten Mal über meine Arbeit berichtet habe, sind zweiundeinhalb Wochen vergangen. Die meisten Zeit war ich mit der Ausschreibung von Erasmus+ Stipendien beschäftigt. Als eine Ansprechpartnerin für Studenten durfte ich ungefähr 350 E-Mails beantworten. Zuerst haben die Studenten ganz allgemeine Fragen nach Stipendien, Praktika usw. gestellt, dann musste ich sie bei Vorbereitung der Bewerbungen unterstützen. Ich freue mich unglaublich, dass ich selbstständig die ganze “Bewerbungsphase” des Erasmus+ Programmes koordinieren darf. Natürlich bin ich damit nicht allein gelassen und ich darf immer Antoinette um Rat bitten, aber im Prinzip darf ich ganz selbstständig arbeiten. Antoinette hat zwei Infoveranstaltungen für Studenten organisiert. Diesmal habe ich die SMS mit Information über die Veranstaltungen an die Studenten verschickt und seit ungefähr zehn Tagen bekomme ich die Bewerbungen.
 
Tja, die Bewerbungsfrist ist ein anderes Thema. Die Frist sollte eigentlich am Freitag letzter Woche ablaufen. Ich war  schon total frustriert und behauptete, als eine Ansprechpartnerin versagt zu haben, da bis Mittwoch nur etwa 30 Bewerbungen eingegangen waren. Die Menschen hier lassen aber alles für die letzte Minute (das konnte ich schon mehrmals bei den Mitarbeitern von MCAST beobachten) und erwarten irgendwie von Anfang an, dass jede Frist verlängert wird, deswegen muss sie nicht wirklich ernst genommen werden. Jetzt habe ich einen ganzen Stapel von Bewerbungen, die ich noch registrieren soll  (eine Nummer vergeben, die Daten in einer speziellen Excel-Datei angeben und ein Formular ausfüllen, in dem ich bestätige, dass eine Bewerbung formal korrekt ist) und ich weiß von ein paar Dutzenden von Bewerbungen, die in den Instituten auf eine Unterschrift des Direktors warten. Ich brauche eigentlich nicht hinzufügen, dass die Bewerbungsfrist natürlich um eine Woche verlängert wurde.
 
Die Ausschreibung von Erasmus+ war nicht die einzige Aufgabe, mit der ich in der letzten Zeit beschäftigt war. Ab Anfang März kommen ganz viele ausländische Studenten und Lehrer, die auf Malta ein Praktikum machen (das sind die Studenten) oder MCAST im Rahmen einer Fortbildungsreise besuchen (das sind die Lehrer). All diese Menschen bekommen eine Info-Mappe, die außer allgemeinen Informationen über Malta und MCAST auch eine Karte mit der Strecke von dem Hotel zum Praktikumsort und Verzeichnis von allen möglichen Busverbindungen auf dieser Strecke enthalten soll. Bei den Lehrern, die mehrere Institute besuchen, sind es mehrere Strecken, die ich “bearbeiten” muss. Am schlimmsten ist es, wenn das Programm in der letzten Minute doch geändert wird und meine Arbeit zu einer Papierkorb-Arbeit wird.
 
Damit beende ich jetzt meinen Bericht, obwohl in den letzten Wochen viel mehr geschehen ist, als ich beschrieben habe. Ich möchte aber doch noch was von dem Sonntagabend haben. Am Dienstag kommt mein lieber Mann zum Besuch (nach einer zweimonatigen “Zwangsseparation” kann ich ihn endlich sehen). Wenn er wieder nach Berlin fliegt, melde ich mich wieder und werde mehr von Malta, Maltesern und Maltesisch erzählen.
 
Am Ende möchte ich nur hinzufügen, dass die Pannenserie in meiner Wohnung weiter läuft. Am Freitag hat der Wassererhitzer im Badezimmer explodiert und damit explodierten auch meine Nerven so, dass mein Vermieter und ganze seine Familie gestern ab 6 Uhr morgens sich um einen neuen kümmerten (mindestens einmal war ich sehr sehr sehr durchsetzungsfähig) und sie haben es geschafft: ich habe einen neuen Wassererhitzer schon seit gestern Mittag.
Außerdem habe ich vor ungefähr zwei Wochen eine Auseinandersetzung mit einem Skorpion erlebt. Den habe ich um 6 Uhr morgens in der Nähe meines Bettes entdeckt. Für Menschen, die davon nichts wissen: Ja, es gibt Skorpione auf Malta. Ich wusste davon auch nicht. Sie sind hier sehr selten (angeblich hat keiner von mir bekannten Maltesern je einen gesehen). Aber mich wundert in meiner Wohnung langsam nichts mehr (nicht einmal Stromausfälle, Explosionen, Skorpione...). Ich frage mich nur, was kommt als nächstes auf mich zu. Da erlaube ich Ihnen, liebe Leser, Ihre Fantasie spielen lassen.
der Skorpion vor...  und der Skorpion nach der Auseinandersetzung mit mir und ein optimistischer Akzent am Ende