die letzten zwei Wochen und etwas mehr über meine Stadt - Cospicua (Bormla)

Sonntag, 23.03.2014

Mein letzter Blogeintrag liegt schon zwei Wochen hinterher. Da fängt an, ein rotes Licht in meinem Kopf zu blinken: “den Blog aktualisieren!” heißt es.

Zuerst die letzten zwei Wochen in aller Kürze: Auf Arbeit gab es nichts neues. Trotz aller Sorgen, dass sich außergewöhnlich wenige Studenten um die Stipendien bewerben, habe ich in den letzten Tagen mit einem solchen Zufluss von Bewerbungen zu tun gehabt, dass man langsam von einem Rekord sprechen kann. Letztes Jahr haben ca. 100 Studenten die Bewerbungen eingereicht, dieses Jahr werden das ca. 180 Bewerbungen sein. Außerdem war ich ganz viel mit Vorbereitung von Info-Mappen für MCAST Gäste (Studenten und Lehrer) beschäftigt. Dazu habe ich noch eine extra Aufgabe bekommen. Auf Wunsch des neuen Abteilungsleiters, dem u. A. das International Office untersteht und der unbedingt irgendwelche Neuigkeiten einführen möchte, soll ich eine Power Point Präsentation über Malta vorbereiten. Ich arbeite schon an der Präsentation seit einigen Tagen und habe den Eindruck, dass meine Vorstellung darüber, was die ausländischen Gäste über Malta gerne erfahren würden und die Meinung des Chefs zu diesem Thema ziemlich weit voneinander entfernt sind. Ich bin gespannt, wie meine Präsentation angenommen wird. Aber die Internetrecherchen, die ich bei dieser Gelegenheit machen durfte waren höchst interessant und ich selbst konnte viel dabei lernen.    

Vor zwei Wochen hat mich endlich mein Mann besucht. Ich habe sooo sehr auf diese fünf Tage mit ihm gewartet und diese waren dann natürlich blitzschnell vorbei. Aber trotzdem bleiben nach einem solchen Treffen in Erinnerung viele schöne Momente, die das Warten auf den nächsten Besuch versüßen. An einem Abend sind wir nach Mdina gefahren und ich muss sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, diese Stadt gerade am Abend zu sehen. Die schmalen Gassen und dunklen Ecken machen einen außergewöhnlichen Eindruck.  

Außerdem haben wir zusammen  den Süden der Insel besichtigt, d. h. mal nach Blue Grotto gefahren und dann zu den neolithischen Tempeln (Hagar Qim und Mnajdra) gewandert. Ich kann zwar nicht ganz verstehen, auf welcher Grundlage die Wissenschaftler überzeugt sind, dass die neolithischen Megalithen jemals Tempeln waren, aber die riesigen Steine und  Überreste von Gebäuden machen einen großen Eindruck vor allem wegen ihrer Lage: unmittelbar auf dem Ufer auf hohen Kliffen.  

Dieses Wochenende war nicht mehr so intensiv. Gestern entschied ich mich, die Geschicklichkeit der maltesischen Frisöre auf Probe zu stellen. Die Ergebnisse sind nicht schlecht . Dann habe ich noch einen schönen Spaziergang entlang der Promenade in St. Julian’s und in Sliema gemacht. Ich habe zum ersten Mal längere Zeit in diesen Ortschaften verbracht, die als modernste in Malta gelten und wo man tatsächlich eine Großstadtatmosphäre erleben kann. Erst dort machte ich mir plötzlich bewusst, wie besonders Cospicua, wo ich wohne, ist. Ich habe mich schon an diese Atmosphäre von einer anderen Epoche gewöhnt, an den Hahnenschrei morgens (JA, JA, das mitten in der Altstadt. Ich frage mich nur, wo die Hühner gehalten werden. Ich schätze, dass sie auf den Dächern leben), auf Pferde, die im Meer baden, oder eher gebadet werden, an ein altes Ehepaar, das ich jedes Mal am Ufer sehen kann: er angelt und sie sitzt in einem Auto, gleich neben ihm geparkt, und strickt. Gleich ein paar hundert Meter weiter beginnt eine ganz neue und moderne Marina, wo super teure Yacht-Schiffe zu sehen sind. Und das mag ich an dem Ort, wo ich wohne. Diese Mischung aus einem Leben, das seit Jahrzehnten (oder vielleicht seit Jahrhunderten) sich kaum verändert hat und aus normalen, modernen Leben, jedoch ohne dieser Touristen Masse, die mich in Sliema total irritiert.  

Ganz viele Menschen, die ich an MCAST treffe, wundern sich, dass ich in Cospicua wohne, weil die Bewohner hier am meisten sehr einfach, ungebildet und – oft - auch sehr arm sind. Ich gebe zu, dass Vieles hier für mich neu und ungewöhnlich ist, aber ich mag es sehr zu schätzen, dass ich eine Ortschaft kennen lernen kann, die etwas ursprüngliches an sich hat. Das ist kein Ghetto von armen Menschen. Es leben hier zum Beispiel keine Flüchtlinge, es ist nicht gefährlich in den Straßen. Diese Stadt funktioniert einfach so, als ob die Zeit sich vor vielen, vielen Jahren angehalten hätte.